Bericht Weiterbildung Werkzeugmaschinen und Fertigungstechnik

Als technische Übersetzerin nehme ich regelmäßig an Kursen teil, die vom Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ) angeboten werden. Die Themen der Kurse sind sehr vielfältig und von hoher Qualität. Vor Kurzem nahm ich in München am Kurs “Werkzeugmaschinen und Fertigungstechnik – mit Einführung in Industrie 4.0” teil, den der Ingenieur und Übersetzer Clemens Rieg leitete.

Um innerhalb meines Fachgebietes auf dem neuesten Stand der Entwicklungen zu bleiben und außerdem neue Technikkenntnisse zu erwerben, reise ich regelmäßig in alle Ecken Deutschlands. In München war ich noch nie, also eine gute Gelegenheit, um das Schöne mit dem Nützlichen zu verbinden.

Marienplatz © Marion Caris

Der Kurs fand statt in den Büroräumen des Landesverbandes Bayern des BDÜ in der Maxvorstadt. Unter den Kursteilnehmer*innen waren nur 2 männliche Kollegen. Das verwunderte mich, da der Bereich Technik als eine Männerdomäne gilt. Aber in der Übersetzerwelt ist das definitiv nicht der Fall.

Clemens Rieg präsentierte uns eine Übersicht über die Maschinenbaubranche in Deutschland und im nächsten Schritt die Produktions- und Verkaufszahlen der größten internationalen Player in diesem Sektor. Deutschland ist der zweitgrößte Produzent und drittgrößte Verbraucher.

Der restliche Vormittag wurde den vier wichtigsten Zerspanungstechniken besprochen: Drehen, Bohren, Fräsen und Schleifen. Zerspanen umfasst alle Bearbeitungsmethoden, bei denen Material abgetragen wird (meistens von Werkstücken aus Metall) und Späne zurückbleiben. Bei jeder dieser Methoden wurden die relevanten Normen vorgestellt und die jeweilige Technologie eingehend besprochen. Diesbezüglich wurde intensiv auf die Fallstricke beim Übersetzen eingegangen. Ein schönes Vorbild ist beispielsweise das englische Wort boring, das im Deutschen nicht bohren und im Niederländischen nicht boren, sondern aufbohren bedeutet. Es geht bei diesem Prozess um das Vergrößern eines bereits gebohrten Lochs. Bohren selbst wird ins Englische mit dem Wort drilling übersetzt.

Abb. 1: Drehbewegungen

Nr Deutsch Niederländisch Englisch Parameter Einheit
1 Drehzahl toerental spindle speed N Umdr/min
2 Schnittgeschwindigkeit snijsnelheid cutting speed Vc m/min
3 Vorschub voeding feed F mm
4 Zustellung snedediepte x-axis feed Ap mm

Tabelle 1: Terminologie – Drehbewegungen
 
Ein weiterer Inhaltspunkt waren Kühlstoffe und Schneidematerialien. Erstere werden verwendet, um Werkzeuge, wie zum Beispiel Fräsen, zu kühlen und Reibung während des Zerspanungsprozesses zu reduzieren, da dieser zwischen Schneidewerkzeug und Werkstück hohe Temperaturen erzeugt.
 

Abb. 2: Fräsen (l) und schleifen mit links Spänen und rechts Kühlstoff (r)


Bohrergeometrie

Abb. 3: Bohrergeometrie

Nr Deutsch Niederländisch Englisch
1 Querschneide dwarssnijkant chisel edge
2 Hauptschneide hoofdsnijkant major cutting edge
3 Nebenschneide snijkant van de geleidingsrand, hulpsnijkant leading edge of a land
4 Hauptfreifläche hoofdvrijloopvlak flank
5 Nebenfreifläche vrijlooprugvlak body clearance
6 Spanläche spaanvlak face
4 Spannut spaangroef flute

Tabelle 2: Terminologie – Merkmale eines Bohrers gemäß ISO 5419
 
Nach diesen Prozessen wurden die Maschinen selbst ausführlich besprochen und die NC-Steuerung (Numerische Steuerung) erläutert. Dabei handelt es sich um den Prozess, der die Schneidegeschwindigkeit und Bewegungsabläufe von Werkstück und Werkzeug bestimmt. Heutzutage passiert das automatisch.

Zuletzt warfen wir noch einen Blick in die Zukunft. Wir stehen am Beginn der vierten industriellen Revolution und das bedeutet, dass auch die Maschinenbaubranche digitalisiert wird und technische Neuerungen implementiert werden. Maschinenbauer in Deutschland gehören dabei zu den besten auf diesem Gebiet.

17 Uhr war der Kurs zu Ende und ich trat zufrieden auf die Straße. Draußen war es noch mild und viel los auf den Straßen. Genau die richtige Zeit für ein bayrisches Schmankerl und eine Maß. Servus!